Ayman Alz Ayed (25) ist ein aufgeweckter und pfiffiger junger Mann aus Syrien, der sich hier schon bestens integriert hat. Innerhalb von einem Jahr  lernte er Deutsch, inzwischen hat er auch schon einen Ausbildungsplatz zum Hotelfachmann und arbeitet im Westin, dem Hotel  der Elbphilharmonie. Und – wenn alles klappt, zieht er demnächst sogar endlich in die heiß ersehnte eigene Wohnung.

Wie hat er das alles geschafft, frage ich ihn, als ich ihn im Holmbrooker Café kennen lerne. „Ich hatte Glück“, sagt er bescheiden. „Du warst aber auch fleißig“, sagt Susanne Graeper, eine der drei Cafédamen, die neben uns am Tisch sitzt und einem Grundschüler bei den Schularbeiten hilft.

Wie er die Sprache so schnell gelernt hat, interessiert mich sehr, denn aus der Zeit, als ich Deutschunterricht für Flüchtlinge gab, weiß ich, wie viel Mühe es vielen bereitet, unsere ziemlich schwierige Sprache mit ihren Finessen und Ausnahmeregelungen zu lernen und irgendwann möglichst fehlerfrei zu sprechen. Im ersten Jahr schafft das kaum einer, manche nie. „Ich habe neben dem Deutschunterricht gearbeitet, das hat mir sehr geholfen“, sagt Ayman. „Eine Zeit lang war ich, vermittelt über  Zeitarbeitsfirma, als Lagerarbeiter bei Airbus tätig. Dadurch konnte ich etwas Geld verdienen und nebenbei die Sprache besser lernen. Ich habe das auch für meine Integration gemacht“, ergänzt er, „und um zu sehen, wie Deutsche arbeiten.“

Bald darauf fand er einen Job in einem Bistrot in der Hafencity. Wie das? „Ich habe die Anzeige gesehen und bin direkt dorthin gegangen“, sagt er und lächelt. Er ist ganz offensichtlich jemand, der die Dinge schnell in die Hand nimmt, initiativ ist. Nach Hilfe fragen liegt ihm nicht so – „ich wollte immer alles möglichst alleine schaffen.“

Vor drei Jahren hat er es allein von Syrien hierher geschafft – ohne Familie, die lebt nach wie vor in Damaskus. 1913 flog Ayman von dort nach Ägypten, wo er zwei Jahre arbeitete, um Geld für die Überfahrt nach Italien zu verdienen. Die Fahrt über das Mittelmeer war ein Desaster, an das er nicht gern zurückdenkt. 15 Tage lang saß er mit vielen anderen Flüchtlingen zusammengepfercht  in einem kleinen Boot, das auf dem Meer herumirrte, weil der Kapitän die Orientierung verloren hatte.

Mehr möchte er darüber nicht erzählen, was nachvollziehbar ist. Über Italien gelangte er dann schließlich nach Deutschland. Gefällt es ihm? „Das Leben hier ist sehr schön“ sagt er. „Dieser Satz drückt eigentlich alles aus“, ergänzt er. Konkreter? „ Es gibt Gesetze, die eingehalten werden, und was ich richtig gut finde: Es gibt viele Organisationen, die Menschen weiter helfen, und damit meine ich nicht nur den Flüchtlingen. Wann immer man ein Problem hat, gibt es eine Organisation, die dafür zuständig ist.“ Interessant. Darüber habe ich noch nie nachgedacht, weil ein funktionierendes Gemeinwesen für mich so selbstverständlich ist.

Gibt es auch Dinge, die ihm hier nicht so gut gefallen?

„Es ist wahnsinnig schwer, eine Wohnung zu finden.“ Er selbst hat drei Jahre dafür gebraucht, weil er so viel gearbeitet hat und keine Zeit zum Suchen hatte. Jetzt hält er endlich einen Mietvertrag in den Händen, den er hier  im Café von Claudia Schultzendorff noch einmal gegenlesen lässt – obwohl er ja eigentlich keine Hilfe in Anspruch nehmen mag, aber bei wichtigen bürokratischen Angelegenheiten muss es eben doch sein.  „Aber es ist immer noch nicht sicher, ob es auch klappt“, sagt er.

Was er allerdings nicht versteht: „Es gibt viele Flüchtlinge, die haben weder die Sprache gelernt noch je hier gearbeitet –bekommen aber trotzdem schnell eine Wohnung gestellt. Warum prüft man nicht, wie gut jemand Deutsch kann und was er bisher hier gemacht hat, bevor man ihm eine Wohnung gibt?“ Vielleicht keine schlechte Idee.

Jetzt ist Ayman müde, er ist heute morgen um 4 Uhr aufgestanden – Schichtdienst im Westin, momentan arbeitet er dort in der Gastronomie. Neulich hatte er dort ein kurioses Erlebnis: Er hörte, wie sich Gäste an einem seiner Tische über die Flüchtlinge unterhielten, die säßen ja nur den ganzen Tag zu Hause herum und wollten nicht arbeiten. Das wurmte Ayman dann doch und als sie sich verabschiedeten, stellte er sich höflich vor und sagte: „Ich weiß, dass ich mich eigentlich nicht in die Unterhaltungen von Gästen einmischen sollte. Aber ich muss Ihnen etwas sagen: Ich bin auch ein Flüchtling, aus Syrien, und die Flüchtlinge sind nicht alle so, Flüchtlinge bedeutet nicht automatisch ,Mist‘. Es sind ganz normale Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen, darunter auch Ärzte und andere Akademiker.“

Und wie haben die Leute reagiert? „Sehr nett, sie haben es sofort verstanden.“

Offenbar konnte er es ihnen gut vermitteln und hat damit für das Image der Flüchtlinge etwas getan – mutig! Wie gesagt, Ayman Alz Ayed ist ein aufgeweckter, intelligenter junger Mann, der seinen Weg machen wird – davon bin ich überzeugt.

Interview-Reihe DIE HOLMBROOKER – Wie Ayman sich selbst einen Job und einen Ausbildungsplatz suchte

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