Seit ein paar Wochen bin ich ehrenamtlicher Malteser Integrationslotse. Das hat für mich viele Vorteile. Einer davon ist, dass so mein Engagement für eine afghanische Frauenärztin und eine syrische Familie in eine bereits bestehende Struktur eingebunden ist. Außerdem genieße ich seitens der Malteser nun Versicherungsschutz, wenn ich mit meinen syrischen oder afghanischen Freunden unterwegs bin. Last not least kann ich in gewissem Umfang sogar Unkosten geltend machen für Aktivitäten, die ich vorher aus eigener Tasche bezahlt habe. Tickets für Theater- oder Zoo-Besuch sowie andere Kosten, die sich aus der gemeinsamen Freizeitgestaltung ergeben, kann ich einreichen und bekomme sie erstattet. Eine echte Win-Win-Situation.

„Die Malteser Integrationslotsen wollen helfen, Flüchtlingen das Einleben in unsere Gesellschaft zu erleichtern“, heißt es in dem Flyer, den die Malteser gerade herausgegeben haben. Ein kluges Konzept, das einfach formuliert, worauf es für die Geflüchteten (ich bevorzuge inzwischen diesen Ausdruck) ankommt. „Die Ehrenamtlichen begleiten die Menschen individuell“, heißt es weiter. „Sie geben ihnen Halt, Wissen, Mut, Zuversicht und alles Notwendige für ein selbständiges, selbstbestimmtes Leben in unserer Gesellschaft.“

Mit Ausnahme des etwas schwammigen Begriffs „alles Notwendige“ kann ich alles unterschreiben. „Meine“ afghanische Frauenärztin beispielsweise braucht regelmäßige Aufmunterung, weil ihr Asylgesuch abgelehnt wurde, obwohl sie von den Taliban bedroht wurde. „Nimm es nicht persönlich“, beruhige ich sie, “ das ist die deutsche Bürokratie und hat nichts mit dir persönlich zu tun.“ Wenn sie ungeduldig oder deprimiert ist, weil sie ohne Anerkennung als Asylantin keine Perspektive hat, ihren Mann und ihre Kinder nachzuholen, versuche ich sie zu trösten und ihr zu vermitteln, dass die Ämter erst einmal so viele Asylgesuche wie möglich ablehnen, damit wir nicht plötzlich statt einer Million Geflüchteter fünf oder sechs Millionen haben, was mit ziemlicher Sicherheit zu innenpolitischen Verwerfungen führen würde. Wenn sie bedrückt sagt: „Ich weiß überhaupt nicht, wo mein Weg hinführt“, antworte ich aus innerster Überzeugung, dass wir das letztlich alle nicht so genau wissen – obwohl unsere Wege im wohlhabenden und sicheren Deutschland ziemlich gut geebnet scheinen. Wenn wir uns trennen habe ich meistens das Gefühl, ihr ein wenig Mut gemacht zu haben und hoffe inständig, dass sie ihre Schlafstörungen überwindet.
„Miteinander statt nebeneinander leben, gegenseitiges Verständnis statt Misstrauen, Zugehörigkeitsgefühl statt Ablehnung“ – das sind für die Malteser Ergebnisse gelungener Integration. Als Integrationslotse erlebt man nicht nur bereichernde Begegnungen und neue Einblick in andere Kulturen, sondern hat auch die Chance „eine Schlüsselrolle beim Thema Integration zu spielen“.

Die Mitwirkungsmöglichkeiten sind vielfältig:

  • Vermittlung unserer Werte und Kultur
  • Unterstützung bei Fragen des Alltags
  • Sprachkurse
  • Freizeitgestaltung: Sportkurse, Instrumentenunterricht, Theater- und Konzertbesuche, gemeinsames Kochen

Die Malteser bieten auch Schulungen und Fortbildungen sowie einen Erfahrungsaustausch mit anderen Integrationslotsen in regelmäßigen Gruppentreffen. Diese sollen nach Vorstellung von Veronika Trautmann, der Koordinatorin der Integrationsdienste bei den Maltesern, möglichst wohnortnah stattfinden, um zusätzliche zeitliche Belastungen gering zu halten, „denn die Ehrenamtlichen leisten ja sowieso schon viel.“

Wer Interesse daran hat, als ehrenamtlicher Integrationslotse für die Malteser tätig zu werden – auch im Rahmen einer bereits bestehenden Patenschaft – kann Veronika Trautmann unter veronika.trautmann@malteser.org kontaktieren oder sie unter 0175-78 41 763 anrufen.

Vielleicht ist das ja ein interessantes Modell  für Fördern und Wohnen? Zur Nachahmung empfohlen!

Als Integrationslotse für die Malteser unterwegs – eine Win-Win-Situation